Tierfantasy – ein nischiges Genre (?)
- hubersilvana
- 19. Nov. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Dez. 2025
Bücher mit Tieren als Protagonisten – seit jeher bin ich davon fasziniert. Zugegeben, als Kind ist es vermutlich normal, dass man von sprechenden Tieren begeistert ist. Aber wie ist es im Erwachsenenalter? Interessiert das jemanden? Offensichtlich, denn Tierfantasy bzw. Animal Fantasy ist eine Untergruppe im Fantasy-Bereich, und zwar nicht nur in der Kinder- und Jugendbuch-Abteilung. Nachfolgend zeige ich dir verschiedene Arten von Tierfantasy, stelle dir einige Tierfantasy-Bücher für Erwachsene vor, erzähle dir, was mich daran fasziniert und warum es das Genre meiner Erfahrung als Tierfantasy-Autorin nach ziemlich schwer hat.

Meinen ersten Berührungspunkt mit Tierfantasy hatte ich wahrscheinlich mit der Verfilmung des Bestsellers „Unten am Fluss“ (im Original „Watership Down“) von Richard Adams. Und damit stehe ich nicht allein da – jedenfalls höre ich immer wieder, dass Leute den Film scherzhaft als ihr traumatischstes Kindheitserlebnis bezeichnen. Kaninchen, die verzweifelt aus ihrem Bau flüchten, der gerade ausgeräuchert wird; die Ausgänge verstopft mit toten Artgenossen – das ist schon ein winzig kleines bisschen verstörend für Kleinkinder. Somit ist eigentlich klar: Geschichten mit Tieren in den Hauptrollen sind nicht immer automatisch für Kinder gedacht.
Die verschiedenen Arten von vermenschlichten Tieren
Klar, es existieren zuhauf Tiergeschichten für Kinder, aber eben auch für Jugendliche und Erwachsene. Tatsächlich gibt es in der Literatur verschiedenste Arten von Tierfantasy. Der Grad der Vermenschlichung kann dabei jeweils ganz unterschiedlich sein. Hier ein kurzer Überblick:
Realistische Tiere, kaum vermenschlicht: Die Tiere sind realistisch dargestellt, haben kaum menschliche Gedankengänge und können auch nicht miteinander sprechen. Ein Beispiel dafür ist „Ruf der Wildnis“ von Jack London.
Anatomisch korrekt, im Kopf vermenschlicht: Der Körperbau ist realistisch, die Figuren zeigen mehr oder weniger tierische Instinkte und Verhaltensweisen; gleichzeitig haben sie menschliche Gedanken und können wie Menschen miteinander sprechen. „Die Hunde des Schwarzen Todes“ von Richard Adams ist hierfür ein gutes Beispiel. (*Hüstelchen* – auch meine eigenen Bücher fallen in diese Kategorie.)
Stark anthropomorphe Tiere: Tiere, die sich fast gänzlich wie Menschen benehmen. Sie gehen auf zwei Beinen, wohnen in Häusern, tragen Kleidung, kochen, gehen zur Arbeit, schlafen in Betten. Solche Tiere findet man oft in Fabeln.
Beispiele von Tierfantasy-Büchern für Erwachsene
In jeder der oben genannten Kategorien gibt es verschiedenste Werke für jede Altersgruppe – von kleineren Kindern über Jugendliche bis hin zu Erwachsenen. In Tiergeschichten für Erwachsene werden oft tiefe Themen behandelt, wie beispielsweise Fragen über Moral, Sinn des Lebens, Verbindung zur Natur, Angst vor dem Tod. Hier ein paar Beispiele für Tierfantasy-Bücher, die sich an Erwachsene richten und teils tragische und düstere Themen behandeln:
Füchse unter sich von Garry Kilworth: Füchsin O-ha verliert nach einer kurzen Zeit des Glücks ihren Partner und ihre Jungen. Nach langer Trauer fängt sie mit dem Fuchs Camio ein neues Leben an. Doch die Gefahren für die kleine Familie lauern überall.
Unten am Fluss von Richard Adams: Eine Gruppe Wildkaninchen macht sich auf die Suche nach einer neuen Heimat, nachdem Rammler Fiver eine blutige Vision vom Untergang ihres Geheges hatte.
Die Hunde des Schwarzen Todes von Richard Adams: Zwei Hunde fliehen aus einem Tierversuchslabor und beschließen, sich von jetzt an als wilde Tiere durchzuschlagen. Doch alle Welt ist hinter ihnen her – denn angeblich sind sie mit der Beulenpest infiziert.
Der weiße Knochen von Barbara Gowdy: Eine Elefantenherde sucht nach dem weißen Knochen, der ihnen laut der Legende den Weg zu einem sicheren Ort weisen soll, geschützt vor den Elfenbeinjägern.
Das Huhn, das vom Fliegen träumte von Sun-Mi Hwang: Legehenne Sprosse flieht in die Freiheit und will sich ihren Wunsch erfüllen: endlich ein Ei ausbrüten. Doch das Leben in Freiheit ist hart und unbarmherzig.
Die rote Koppel von Svend Fleuron: Vier verwaiste junge Füchse werden von einem alten Fuchs mit frischem Wildfleisch aufgezogen. Aus ihnen wird eine gefährliche, mordsüchtige Meute, die eines Tages sogar zwei Kinder anfällt.

Was mich an Tierfantasy fasziniert
Zurück zu „Unten am Fluss“. Als jemand, der bis dato fast nur Disney Zeichentrickfilme kannte, war die ernste und oft grausame Geschichte der Kaninchen faszinierend für mich. Ich wollte mehr davon (vielleicht noch nicht als kleiner Hüpfer, aber als ich älter wurde auf jeden Fall).
Als Teenager las ich dann das Buch und war hin und weg. Die Gedankenwelt der Kaninchen – menschlich, und doch irgendwie tierisch und eingeschränkt (beispielsweise können die Kaninchen nur bis 4 zählen, alles weitere ist „tausend“, eine unbestimmte große Menge), die komplexe Mythologie, die eigenen Begriffe, wie sie die Welt sehen.
Ich liebte Bücher, ich liebte Tiere, ich liebte Geschichten mit Tieren – und ich wollte selbst solche Bücher schreiben. Ich wollte, dass Tiergeschichten nicht sofort als „für Kinder" abgetan werden, wollte, dass die Leute in diesen Büchern das sehen, was ich sehe – einzigartige Welten und Charaktere, tiefgründige und emotionale Geschichten, poetische und philosophische Themen.
Warum hat Tierfantasy es so schwer?
Die Geschichte einer Wölfin, die ein seelenfressendes Ungeheuer bezwingen will, in ein fremdes Land reist, sich widerwillig mit einer zynischen Kojotin verbündet, und während ihrer Reise lernen muss, dass nicht alles nur schwarz und weiß ist. Eine tiefgründige Geschichte über Leben und Tod, Festhalten und Loslassen, Freundschaft und Verlust – und über die Erkenntnis, dass das eigene Leben vielleicht nicht so bedeutsam ist, wie man denkt.
Wow, unglaublich, oder? Nach so einem einzigartigen, emotionalen und fantasievollen Buch leckt sich doch jeder Leser die Finger, nicht wahr? Naja, geht so. Das war eben eine Zusammenfassung meines Buches „Die Trauerwölfin“. Oft bekomme ich dazu das Feedback: „Ich lese sonst nie solche Bücher, das ist gar nicht mein Ding, aber dein Buch war so toll und hat mich wahnsinnig berührt.“ Das Buch kommt also ganz gut an, sofern es denn überhaupt gelesen wird. Genau hier könnte das Problem der Tierfantasy liegen: Die Leser kommen gar nicht auf die Idee, dass ihnen so etwas gefallen könnte (oder es liegt an meiner üblen Marketingstrategie 😉).
Tierfantasy hat es also offensichtlich wirklich nicht leicht. Aber woran liegt es, dass die Leser sich nicht darauf einlassen? Möglicherweise ist das Genre einfach zu nischig. Oder es ist schwer, die genaue Zielgruppe zu ermitteln, da Tierfantasy ein weiter Begriff ist, der Leser verschiedener Genres interessieren könnte:
Fantasy-Leser, die gerne neue Welten und verschiedenste Wesen entdecken
Leser, die Naturgeschichten und spirituelle Bücher mögen
Leser, die ungewöhnliche, literarisch anspruchsvolle Bücher wollen

Fazit: Weitermachen – Tierfantasy findet immer seine Liebhaber
Ich glaube, oftmals ist es gar nicht so, dass die Leute Tierfantasy explizit ausschließen – vielmehr kommen sie schlicht gar nicht auf die Idee, es zu lesen. Wenn sie es dann doch tun, sind sie überrascht, wie gut es ihnen gefällt.
Wie gehts also jetzt weiter für Tierfantasy-Autoren? Ganz klar: Weitermachen und die Leser langsam, aber sicher zu ihrem Glück zwingen. Denn was dich und mich begeistert, begeistert gewiss auch viele andere Menschen – so einzigartig sind wir nun auch wieder nicht, dass etwas nur uns allein gefällt 😁.
Hast du während des Artikels Lust auf Tierfantasy bekommen? Dann schaue dir doch gerne mal meine Bücher an – vielleicht ist was für dich dabei.





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